Liebe Freunde der Gegenwart
Es ist hin und wieder an der Zeit, sich aus dem Geschehen zu nehmen und sich eines Gesamtbildes zu vergewissern. Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. Ein Mensch, so er ein Teil jener nachhaltigen Gemeinschaft zu sein pflegte, die Bestand hat und überdauern wird, auch wenn sie sich von Zeit zu Zeit eines Körpers entbehren müsste, ist jener, der diese und sich als Ganzes begreifen kann. Als Ganzes mit all ihren Grenzen und Schwächen vor allem aber jener seiner selbst.
Limitation in Raum und Zeit als ganzheitlicher Baustein
Mensch stelle sich vor, es gäbe Lebewesen viel älterer und mächtigerer Statur, Jahrmilliarden erfolgreicher Auslese und grössten Fortschritts. Es wären womöglich göttergleiche Wesen deren agieren sich von Naturgesetzen nicht mehr wesentlich unterschiede. In Harmonie mit ihrem Umfeld, wären sie keiner Macht mehr ausgeliefert und keine Katastrophe könnte ihnen was anhaben. Was sie denken wird Realität. Was ihnen fehlte, ist, was den Menschen auszeichnet. Seine körperliche Begrenztheit, seine Fähigkeit, Schmerzen und Leid zu erfahren. Katastrophen verletzlich gegenüber treten zu müssen. Ein endliches Dasein zu fristen. Dies ist etwas, was den Menschen besonders macht und jedes Streben dieser Konstitution im Raumzeitanzug des Geistes zu entkommen, muss sich in den unendlichen Weiten des Weltalls verlaufen. So bleibt es denn dieser fehlbare menschliche Beitrag ans All. Der Umgang damit und das Annehmen dieser mehr oder weniger ausgeprägten essentiellen Unzulänglichkeiten im Drama des Lebens, vermag deutlich zu charakterisieren. Was spielt da ein Hab und Gut, ein Können, ein Wissen für eine Rolle?
Was können wir mitnehmen?
Zum (endlichen) Leben gehört das Sterben. Es ist heute oft aus der Mitte der Gesellschaft verbannt. Dies schmälert jedoch nicht die Bedeutung dessen, was der Tod zum ganzheitlichen Menschenbild beizutragen hat. So wird es aus diesem Winkel ersichtlich, was es sein könnte, das auch den Tod überlebt. Es ist offensichtlich – bei der Betrachtung einer Mumie beispielsweise – dass zurückgelassen wird, was wir als materiellen Körper verstehen. Es müssen keine Annahmen getroffen werden darüber, was eine mutmassliche Seele oder ein feinstofflicher Körper wäre. Es genügt in Stille zu ruhen, um zu sehen, was übrig bleibt, wenn mensch sich nicht mehr derart des Körpers bedient, wie es neuzeitliche Bildungsstätten oder moderne Kinderstuben mit auf den Weg gegeben haben. Beim ganzen Taumel im Hinblick auf den Fortschritt der jüngsten Jahrtausende wird mitunter vergessen, dass die Aufmerksamkeit in eine andere Richtung gelenkt wird, weg vom absoluten Nullpunkt, hin zu immer grösseren und helleren, relativen Zielen.
Das Tor zu sich selbst
Wir können noch soviel erfahren, wissen, denken, handeln und erleben. Wir tun dies stets unmittelbar durch uns selbst und die Frage «Wer bin ich?» bleibt so einfach wie mysteriös. Wenn wir uns ernsthaft mit dieser Frage beschäftigen, müssen wir einsehen, dass vieles von dem, was uns alltäglich anhaftet und uns vermeintlich ausmacht, nicht zu uns gehört und insbesondere nicht mitkommen wird, wenn wir diese Welt dereinst verlassen. Viel wichtiger noch, ist die Erkenntnis, dass nur du dir diese Frage beantworten kannst. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass eine dir noch so nahe oder allwissend scheinende Person helfen kann, wenn nicht schliesslich durch eben dich selbst. Wer sich in ein spezifisches Fach jahrelang umfassend eingearbeitet hat, kann erahnen was es heisst, dass ein sublimer Gedankeninhalt oder ein meisterhaftes Können schwerlich über TikTok transportiert wird. Auch wenn ein Meister es wohl zu demonstrieren wüsste, ist es doch die Übung die einen macht.
Übung macht den Meister
Unberührt von Fragen nach Sinn und Gott, ist es wohl das Meistern des eigenen Lebens und mit diesem die Verbindung der verschiedenen Bewusstseinszustände in einem harmonischen Gleichgewicht. Es ist die grösste, schwierigste aber auch wichtigste Herausforderung der mensch begegnet. Dabei ist zu beobachten wie viele unterwegs irgendwann abzweigen oder sich abwenden, entweder das Gefühl habend, es sei nichts für sie oder es sei schon alles getan. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Warum nicht. In einer Welt, in der die Menschen drohen verlustig zu werden und die alten Hexenmeister sich längst wegbegeben haben, ist die Gefahr gross, sich mit einem Abklatsch dessen zu begnügen, was tatsächlich ist. Um zu helfen dies zu verstehen, täte bei manch einer eine Portion tiefe Meditation, Psychedelika oder Schizophrenie not. Zum Besagten mag auch ein Zufall führen, nachhaltig zu vermitteln, bleibt eine schwierige Aufgabe.